Dokumentationen

Kirchliche Verfahren, die auf der Grundlage des Ungedeihlichkeitsparagrafen geführt wurden oder in anderer Weise die mangelnde Anerkennung von Rechtsstaatlichkeit in der evangelischen Kirche spiegeln, dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Die Dokumente solcher Verfahren müssen aufbewahrt werden, damit sie späteren Zeiten zugänglich bleiben und einmal wissenschaftlich aufgearbeitet werden können. Daher hat sich der Verein „D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche“ dafür entschieden, sein gesammeltes Dokumentationsmaterial ab dem 31. Oktober 2018 Zug um Zug dem Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HISArch) zu übergeben. Dort kann es auf Antrag bei unserem Verein „zu wissenschaftlichen oder publizistischen Zwecken sowie zur Wahrnehmung berechtigter persönlicher Interessen“ benutzt werden (HISArchBO § 3,1).

Besonders sei hier auf die erste Dokumentation „Gemeinde in Not“ verwiesen.
Sie gehört in die unmittelbare Vorgeschichte der Gründung des Vereins „D.A.V.I.D.“. Diese erfolgte im März 2001 in Wiesbaden, nachdem sich Gemeindeglieder gegen das Mobbing an ihrem Pfarrer gewehrt hatten. Sie haben die Vorfälle, die Briefwechsel und das Verhalten der leitenden Vorgesetzten in der evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau lückenlos zusammen gestellt.

In der Einleitung zur Dokumentation „Gemeinde in Not“ ist die Motivation prägnant beschrieben, die nicht nur zur Verfassung der Dokumentation geführt hat, sondern auch später die Gründung des Vereins „D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche“ veranlasste und alle weitere Arbeit bestimmte. Bis heute sind diejenigen, die sich im Verein D.A.V.I.D. engagieren, von diesen Motiven geleitet.

„Unsere Motivation zu dieser Dokumentation
Wir verstehen uns als engagierte evangelische Christen. Die Herausgabe der Dokumentation ist für uns eine Gewissensfrage. Wir konnten nicht schweigend zusehen, wie die evangelische Kirchengemeinde Wiesbaden-Sonnenberg zielstrebig gespalten wurde. Unter der Leitung von Pfarrer Dr. Martin war sie für uns ein Ort, an dem viele Gemeindeglieder sich ernsthaft den Fragen nach Glaube und Verantwortung gestellt haben. Seit ihrer Spaltung teilen wir mit der Biebricher Hauptkirchengemeinde die bedrückende Erfahrung, daß unsere Kirchenleitung offenbar werdendem Unrecht in ihren eigenen Reihen nicht entschieden genug entgegentritt.
Mit der Veröffentlichung verfolgen wir vier Ziele:
1. Wir wollen den betroffenen Menschen in der Sonnenberger Gemeinde helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Erst durch Benennung und Aufzeichnung wird für sie zur faßbaren Realität, was sie über einen längeren Zeitraum hinweg an verschiedenen Orten und in verschiedenen Zusammenhängen als Mobbing erlebt haben.
2. Wir wollen die Handlungsmuster von Mobbing in der Gemeinde sichtbar machen und zeigen, daß sie keineswegs ungesteuerte Selbstrenner sind, wie die dafür Verantwortlichen der evangeli-schen Öffentlichkeit gern mit gespielter Entrüstung weismachen wollen.
3. Wir wollen unsere Kirchenleitung an ihre Verantwortung für die Gemeinden erinnern, denn ohne ihre Gemeinden hat die Kirche keine Zukunft.
4. Wir wollen unserem Freund Karl Martin und seiner Frau ein Zeichen der Solidarität geben. Respekt vor jedem Menschen und die Achtung vor Gewissensentscheidungen sind für uns unverzichtbare Grundwerte in einer christlichen Gemeinde. Es gibt keine Begründung dafür, die Würde eines Menschen zu verletzen.“