Konfliktfall Burgholzhausen – Hoch-Taunuskreis

Die Angst vor einer mündigen Gemeinde.
Eine Pfarrerabsetzung im Hoch-Taunuskreis

Wer stört, muss weg! Der Pfarrer, der Kirchenvorstand, die engagierten Gemeindeglieder, am besten die ganze Gemeinde. So zum Beispiel in Burgholzhausen, einem kleinen hübschen Ort vor den Toren von Frankfurt am Main im Hochtaunuskreis.

Wer bleibt? In diesem Beispiel der Dekan, der Synodalvorstand des Dekanats, dessen Präses und damaliger Kirchenvorsteher, Vertreter und Vertreterinnen des „Institut für Personalförderung und Gemeindeorganisation“, der Vertreter eines „Referat für gesellschaftliche Verantwortung“, Vertreterinnen/Leiterin des Rechts- und Personalreferates, Vertreter des „Leitenden geistlichen Amtes“ und dem dazu gehörigen Kirchenpräsidenten, kurz:  Die verwaltungs-technischen Institutionen, hier der evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau (EKHN). Ein auffallend hoher Aufwand für ein am Ende vernichtendes Ergebnis.

Und warum?  Weil es eine „Basisdemokratie“ in der evangelischen Kirche in Deutschland auch im 21. Jahrhundert nicht gibt. Weil die „Gemeinde“ begreifen muss, dass sie nur eine nach Bedarf schön geredete Worthülse ist. Weil es keine offene Konfliktkultur im Umgang miteinander gibt. Und weil eine enge institutionelle Ausrichtung am vordergründigen Geschehen des Hier und Jetzt den Blick auf gerechte Konfliktlösung vereitelt.

Wer gewinnt?  Niemand. Alle sind Verlierer. Nicht zuletzt die gesamte Institution „Kirche“ in ihrer Glaubwürdigkeit als Trägerin christlicher Werte, deren Reden und Handeln in dieser Welt ohnehin kritisch hinterfragt wird. Der Vertrauensverlust ist immens und wirkt weit über die auslösenden Konfliktlinien hinaus. In einer Kirche, deren Austrittszahlen stetig wachsen und deren Personaldecke in den Pfarrämtern zusehends dünner wird.

Was hier im Resümee wie ein Menetekel an die Wand geschrieben ist, durchzieht alle Konfliktfälle auf Gemeindeebene, die dem Verein „ D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche e. V.“ seit 14 Jahren bekannt sind.  EKD-weit hat der Verein über 300 solcher unheilvoller Ereignisse beobachtet, zu einem großen Teil dokumentiert und deren betroffene Personen begleitet.  Am Ende ist zerstört, was viele Jahre, meist Jahrzehnte lang bewährt, gelebt, unterstützt, begriffen worden war.

Den ganzen Artikel von Sabine Sunnus und Barbara Völksen können Sie hier im Download lesen

Er ist auch im jüngst erschienenen Buch “Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr”, Göttingen 2017, 2. Aufl., S. 319-328, abgedruckt.